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Unser Alltag, ob in der Uni, an der Arbeit oder in der Freizeit, ist ohne eine zuverlässige Stromversorgung heutzutage nicht mehr vorzustellen. Ich bin es gewohnt, dass ich mir morgens meinen Tee mit dem Wasserkocher zubereite, meine Wäsche aus der Maschine hole, die über Nacht gelaufen ist, mich an den Computer setze und mir die Vorlesungsunterlagen herunterlade, bevor mich auf dem Weg in die Hochschule mache. Dazu arbeitet, ohne dass ich darüber nachdenke, das riesige Energieerzeugungs-, -übertragungs- und -verteilungssystem, das mein Zuhause und die Datenserver meiner Uni versorgt.

Wir kennen diesem Aufwand aus der Vorlesung. Da sind es ein paar Zahlen von erzeugten Megawattstunden und Kilometern Leitungen. Um uns diese Zahlen einmal zu verdeutlichen, waren wir am 5. Mai bei der Mainova im Heizkraftwerk West zu Gast. Dr. Ingo Jeromin, Vorsitzender des Vorstands des VDE Rhein-Main, empfing unsere Gruppe von etwa 20 Studenten mit einem informativen Vortrag über das Unternehmen und die Herausforderungen, die ein Verteilungsnetzbetreiber während der Energiewende zu meistern hat. Es ging um Themen wie den ökonomischen Kraftwerkseinsatz, lokale Stromerzeugung und Reservekraftwerke. Im Anschluss stellte uns Herr Werner das Heizkraftwerk West genauer vor, bevor er mit uns die Anlage besichtigte. Das Kraft-Wärme-Kopplungs-Kraftwerk kann aus Steinkohle in zwei Blöcken jeweils 62 MW elektrische und 105 MW thermische Leistung erzeugen. Diese können durch Variation der Kohlestaubeinleitung auf bis zu 60% ihrer Leistung geregelt werden. Zur Spitzenlastabdeckung besteht die Möglichkeit eine Gasturbine innerhalb von wenigen Minuten an das Netz zu koppeln, die 99 MW elektrische und 150 MW thermische Leistung erzeugen kann. Die meisten Hochhäuser der Frankfurter Innenstadt nutzen im Sommer auch thermische Energie zum Betrieb ihrer Klimaanlagen.


Die Steinkohle wird auf Schiffen zum Westhafen gebracht oder kommt etwa einmal in der Woche per Eisenbahn. Um Anwohner und die Umwelt zu schonen funktioniert das Ausladen und Lagern über ein geschlossenes Kohlesilo- und Transportsystem. Wir konnten die gesamte Anlage vom Leitstand über die Flammen im Kohlebrenner bis aufs Dach des Kesselhauses mit einer herrlichen Weitsicht bis nach Darmstadt besichtigen. Dabei wurde mir mal wieder bewusst, was für ein Aufwand betrieben wird, damit ich morgens meinen Tee kochen kann.